Vortrag: „Miniaturen des Nützlichen. Ökonomische Kabinette im 17. und 18. Jahrhundert“

Forschungsbibliothek Gotha/ April 18, 2017

Abbildung: Johann Adolph Hildt.
Beschreibung in- und ausländischer Holzarten
zur technologischen Kenntniß und Waarenkunde.
Weimar 1798-1799.
FB Gotha, N 8° 1169 (1).

Die Forschungsbibliothek Gotha und das Forschungszentrum Gotha laden am Mittwoch, 26. April, herzlich zum Vortrag „Miniaturen des Nützlichen. Ökonomische Kabinette im 17. und 18. Jahrhundert“ von Dr. Shirley Brückner (Gotha/Halle) ein. Los geht es um 18.15 Uhr im Herzog-Ernst-Kabinett der Forschungsbibliothek Gotha auf Schloss Friedenstein. Der Eintritt ist frei.

Das 17. und 18. Jahrhundert war entscheidend geprägt durch die Hochschätzung praktischer Wissenschaften und Künste. So gehörten Studium und Labor – Theorie und Praxis – unabdingbar zusammen. Dazu gehörten auch entsprechende Sammlungen. Nicht Kunst und Kuriositäten, sondern Naturalien, Modelle und wissenschaftliche Instrumente wurden dort gesammelt und gebraucht. Die zeitgenössisch so bezeichneten „oeconomischen Cabinette“ vereinten Material-, Modell- und Instrumentensammlungen für den nützlichen Gebrauch in den verschiedensten ökonomischen Wissensbereichen wie Land- und Forstwirtschaft, Bergbau und Wasserkunst, Manufakturwesen und (Material-) Handel, Architektur und Bauwesen, Pharmazie und Technologie. Sie wurden dabei in aller Regel als Lehrkabinette genutzt: in Schulen, Ritterakademien und Universitäten, in Akademien und ökonomischen oder wissenschaftlichen Gesellschaften ebenso wie bei Handwerkern und Künstlern, in der privaten Vorführung und in der eigenen Beschäftigung des Sammlers mit seinen Objekten, die oftmals aus seinem beruflichen Kontext rührte. Im Vortrag wird ein erster Überblick über solche, bisher meist unbeachtete Sammlungen gegeben.

Shirley Brückner studierte u.a. Evangelische Theologie, Geschichte, Zeitgeschichte und Germanistische Literaturwissenschaft in Marburg und Halle und wurde 2010 mit einer Arbeit über die „Kulturen der Berechenbarkeit. Religiosität und Lebensführung im Pietismus“ promoviert. Nach ersten Jahren im Interdisziplinären Zentrum für Pietismusforschung (IZP) an der Universität Halle-Wittenberg leitete sie die älteste evangelische Kirchenbibliothek, die Marienbibliothek in Halle. Im Anschluss war sie Kuratorin der großen Sonderausstellung zur Kulturgeschichte des evangelischen Pfarrhauses („Leben nach Luther“) am Deutschen Historischen Museum in Berlin. Seit 2015 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungs- und Erschließungsprojekt „Bildungslandschaft und Wissenskultur“.

Der Vortrag setzt die internationale Vortragsreihe „Gothaer Vorträge zur Bildungsgeschichte der Frühen Neuzeit“ fort, die gemeinsam von Forschungsbibliothek und Forschungszentrum organisiert wird. Die Vortragsreihe ist Teil des bis Ende April 2017 vom Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und digitale Gesellschaft geförderten Projekts „Bildungslandschaft und Wissenskultur. Sammlungsbezogene Forschung zur frühneuzeitlichen Bildungsgeschichte des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg“, mit dem beide Institutionen eine langfristige Profilbildung auf dem Gebiet der frühneuzeitlichen Bildungsgeschichte anstreben. Mit dem neuen Themenschwerpunkt des Sammlungs- und Forschungsverbundes Gotha sollen nun auch verstärkt die Naturwissenschaften in den Blick kommen.

Die Vortragsreihe findet mit freundlicher Unterstützung des Freundeskreises der Forschungsbibliothek Gotha e.V. statt.

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