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„Die sämbtlichen Professores zu Halle entbieten der alhier wegen der Studien und Exercitien sich befindenden Jugend Ihren Gruß“ (1692)




Der Gründungskanzler der Universität Halle, Veit Ludwig von Seckendorff, wendet sich an die Studenten


Vor kurzem hat an den Universitäten das Wintersemester begonnen. Bei dieser Gelegenheit schreibt in der Regel die Universitätsleitung einige aufmunternde Worte an die Studierenden.

So auch im Jahr 1692 an der gerade neu gegründeten Universität Halle: Ihr Gründungskanzler Veit Ludwig von Seckendorff (1626–1692) wendet sich im Namen der Professoren in einem Patent an die nach Halle kommende studierende Jugend. Aber neben den Studenten, die von der Einrichtung des brandenburgischen Kurfürsten profitieren und die „Lectiones und Collegia fleißig besuchen“, richtet er zugleich mahnende Worte an diejenigen, welche „unter dem Titul der Studirenden oder Exercitia treibenden mit Fressen und Sauffen auch andern liederlichen Wesen ihre Zeit unverantwortlich hingebracht (fol. 205r)“ hätten.

Abb. 1: Konzept von einer Schreiberhand mit eigenhändigen Korrekturen Seckendorffs. © LATh-StA Altenburg.



Manche der Klagen sind uns heute noch vertraut: Neben dem verstärkten Zug zum Getränk etwa „alle Nachtschwärmerey (darunter auch die zur Unzeit fürgenommene Music zu verstehen)“. Doch auch Jauchzen, Schreien und Streunen waren dem Kanzler ein Dorn im Auge.

Bleibt also alles gleich schlecht? Nicht ganz: Zumindest das „Fensterwerffen“ – also das Einschmeißen von Fensterscheiben – dürfte heute kein ganz so arges Problem mehr darstellen. Vom wiederholt eingeschärften Verbot des Duellierens ganz schweigen.

Und das ist die gute Nachricht für den Anfang dieses Semesters, das in eine Zeit fällt, die gute Nachrichten braucht.

Verfasser: Dr. des. Jacob Schilling 1, 16. November 2020

Bibliographie:

Quellen:
Familienarchiv Seckendorff, Nr. 1066: "Domestica", fol. 204r-210v „Die sämbtlichen Professores zu Halle entbieten der alhier wegen der Studien und exercitien sich befindenden Jugend Ihren Gruß“, Halle [Tagesdatum freigelassen] 1692. LATh-StA Altenburg. 7 Bl., 210v.

Forschungsliteratur:
Matthias Hensel: „Wir sein so starck als ir seyd“. Die ungastliche Stadt und die Hohe Schule zu Jena, in Kirsten Bernhardt (Hrsg.): Gastlichkeit und Geselligkeit im akademischen Milieu in der Frühen Neuzeit. Münster u.a., 2013, S. 67–99.
Wilhelm Schrader: Geschichte der Friedrichs-Universität zu Halle. 2 Bde. Berlin 1894.
Holger Zaunstöck: Konstellationen des Öffentlichen und städtischer Raum. Pietismus, Studentenkultur und Disziplinarpolitik um 1700, in: Gerd Schwerhoff (Hrsg.): Stadt und Öffentlichkeit (15. –19. Jh.). Köln 2011, S. 159–178.

 

 

 
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