Deutsch-ägyptischer Workshop in Kairo zum Ausbau der Zusammenarbeit im Rahmen des Projekts „Cultural Heritage in Cyberspace“

Forschungsbibliothek Gotha/ Januar 4, 2022

Vom 20. bis 25. November 2021 fand in Kairo der deutsch-ägyptische Workshop „Cyberspace and Visions for the Future of Cultural Heritage: Needs, Prospect, and Action“ statt, an dem Dr. Feras Krimsti und Dr. Hendrikje Carius, beide Forschungsbibliothek Gotha, teilgenommen haben. Der Workshop wurde im Rahmen des Projekts „Cultural Heritage in Cyberspace: Education. Preservation. Access“ auf Initiative von Professor Albrecht Fuess von der Philipps-Universität Marburg ausgerichtet. Das Projekt wird seit Frühjahr 2021 durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gefördert. Die Forschungsbibliothek Gotha, die mit etwa 3.400 orientalischen Handschriften die drittgrößte Sammlung in Deutschland bewahrt, ist am Projekt beteiligt.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops in Kairo. Foto: Ain Shams University, Kairo

„Cultural Heritage in Cyberspace“ dient der Etablierung und Festigung im Rahmen der DAAD Programmlinie zur deutsch-ägyptischen Fortschrittspartnerschaft. Das Projekt zielt auf die Schaffung eines umfassenden binationalen akademischen Netzwerks ab. Dabei soll eine nachhaltige Zusammenarbeit zwischen deutschen und ägyptischen wissenschaftlichen Bildungseinrichtungen auf dem Gebiet der Bewahrung des kulturellen Erbes u.a. durch Digitalisierungsprojekte, Formate der Nachwuchsförderung, des Expertenaustauschs, der gemeinsamen Wissensproduktion und Kulturvermittlung aufgebaut werden. Eines der praktischen Projektziele ist die Entwicklung von übergreifenden deutsch-ägyptischen digitalen Infrastrukturen für orientalische Handschriften. Die deutsch-ägyptische Partnerschaft dient neben der Bewahrung kulturellen Erbes auch der Förderung eines umfassenden gesellschaftlichen Zugangs zu Wissen und soll auch den akademischen Diskurs zu kulturellem Erbe auf deutscher und ägyptischer Seite prägen. Beteiligte Institutionen sind auf deutscher Seite – neben der Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt und der Philipps-Universität Marburg – die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, die Staatsbibliothek zu Berlin, die Universität Hamburg, die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften und der an der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt angesiedelte Fachinformationsdienst Nahost-, Nordafrika- und Islamstudien mit der Middle East Virtual Library (MENALIB). Auf ägyptischer Seite sind die Ägyptische Nationalbibliothek (Dār al-Kutub), die Universität Kairo, die ʿAyn Shams Universität und das ägyptische Kulturministerium beteiligt. Weitere wissenschaftliche Institute und Bildungseinrichtungen sind affiliiert.

Die Panels auf dem Workshop in Kairo waren unterschiedlichen Themen gewidmet, u.a. der forschungsbasierten Digitalisierung und Online-Präsentation des kulturellen Erbes, der Zukunft von Bibliotheken und Sammlungen, epigraphischen und handschriftlichen Zeugnissen als Museumsobjekten und der Museologie und Archäologie im Cyberspace. Von Seiten der Forschungsbibliothek befasste sich Dr. Hendrikje Carius in einem Vortrag u.a. am Supreme Council of Culture mit der Digitalisierung der Gothaer Sammlung und den sammlungsbezogenen Digital-Humanities-Aktivitäten der Bibliothek. Dr. Feras Krimsti stellte die Sammlung orientalischer Handschriften der Forschungsbibliothek Gotha in der Ägyptischen Nationalbibliothek vor. Beide Mitarbeiter*innen der Forschungsbibliothek waren auch an verschiedenen Arbeitsgruppen beteiligt, die sich im Rahmen des Workshops zusammenfanden und akademische und praxisorientierte zukünftige Schritte bei der Digitalisierung von Manuskripten besprachen. Die Vorträge, Arbeitsgruppen und Round-Table-Diskussionen dienten weiterhin der Etablierung individueller Kontakte zwischen den deutschen und ägyptischen Partnerinstitutionen.
Dem Workshop schlossen sich Treffen einer Manuskriptexpertengruppe vom 27. bis zum 30. November an. Diese dienten der Vertiefung von Kontakten und dem Austausch mit Mitarbeiter*innen und Studierenden der beteiligten ägyptischen Universitäten, Bibliotheken und Bildungseinrichtungen. In diesem Zusammenhang hielt Dr. Feras Krimsti einen weiteren Vortrag zur orientalischen Sammlung der Forschungsbibliothek an der ʿAyn Shams Universität, in dem er das Potential für eine zukünftige Zusammenarbeit beleuchtete. So bewahrt die Sammlung der Forschungsbibliothek Gotha ca. 1.600 Handschriften, die von dem Reisenden Ulrich Jasper Seetzen Anfang des 19. Jahrhunderts in Kairo erworben worden sind und die eine mögliche Grundlage für die zukünftige Zusammenarbeit mit ägyptischen Bildungseinrichtungen und Bibliotheken darstellen.

Der Workshop in Kairo knüpft an frühere Begegnungen und Workshops im Rahmen von „Cultural Heritage in Cyberspace an“, u.a. an den Besuch einer ägyptischen Delegation im Mai 2019, den „Egyptian-German Workshop on Libraries and Manuscripts“ in Kairo im Februar 2020 und einen weiteren online durchgeführten Workshop im Dezember desselben Jahrs. Der diesjährige Workshop hat vielversprechende Möglichkeiten für die Zusammenarbeit in den kommenden Jahren aufgezeigt. Weitere Schritte werden auf der für Juli 2022 geplanten Summer School an der Forschungsbibliothek Gotha ins Auge gefasst.

Verfasser: Dr. Hendrikje Carius (hendrikje.carius@uni-erfurt.de), Dr. Feras Krimsti (feras.krimsti@uni-erfurt.de)

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