Blog der Forschungsbibliothek Gotha
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Workshop: Buchdeckel als Medium der Renaissance und Reformation.
Neue Ansätze zur Erforschung bildlicher Einbandgestaltung




Call for Papers zum interdisziplinären Workshop


Leitung: Dr. Daniel Gehrt, Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt
Organisation und Veranstaltungsort: Forschungsbibliothek Gotha, Schloss Friedenstein Gotha
Zeit: 12./13. September 2022. (Sofern das Pandemiegeschehen keine Präsenzveranstaltung zulässt, findet der Workshop als Online-Veranstaltung statt.)



Goldgeprägte Porträtplatte Melanchthons in Ganzfigur mit aufgeschlagenem Buch und Melanchthons Wahlspruch. FB Gotha, Theol 8° 344/4



Seit den 1520er Jahren wurde die Gestaltung von Bucheinbänden zunehmend durch bildliche Motive geprägt. Biblische und mythologische Figuren und Szenen, Heilige, personifizierte Allegorien, Porträts von antiken und zeitgenössischen Persönlichkeiten sowie Wappen zierten Deckel. Dieser Stilwandel wurde zum Markenzeichen der Renaissance-Einbandkunst im deutschen Kulturraum, während in anderen Teilen Europas und in der ikonoklastischen arabischen Sphäre abstrakte und ornamentale Gestaltung weiterhin vorherrschten.

Einbandgestaltung nahm eine bedeutende mediale Funktion an, um unter anderem politische, religiöse und kulturelle Werte und Botschaften visuell in Privaträume zu transportieren. So fand die Ikonographie, die Lukas Cranach für die Wittenberger Reformation erschaffen hatte, über Buchdeckel eine besonders weite Verbreitung in die Häuser von gebildeten Zeitgenossen. Der mediale Übertragungsprozess von der Graphik zum Buchbinderwerkzeug ermöglichte es erstmals, eine spezifische konfessionelle Identität durch Buchdeckel zum Ausdruck zu bringen.

Bildliche Einbandgestaltung wird dennoch als neues und gezielt eingesetztes Medium der Renaissance- und Reformationszeit selten in den Blick genommen. Der Fokus der bisherigen Einbandforschung liegt auf die Rekonstruktion des Stempelwerks in den verschiedenen Buchbinderwerkstätten und auf buchhistorische Aspekte. Der geplante Workshop will auf dieser Grundlage aufbauen und im gegenseitigen Austausch nach neuen und vielversprechenden Zugängen zur bildlichen Einbandgestaltung im 16. und frühen 17. Jahrhundert suchen. Willkommen sind Beiträge aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen. Die Beiträger*innen seien ermuntert, multidisziplinäre und multimediale Perspektive einzunehmen. Ziel ist es, das Potential dieses Forschungsgebiets auszuloten und innovative Studien anzuregen.


Auswahl möglicher Fragestellungen:

  • Wie ist bildliche Einbandgestaltung als Medium zu charakterisieren?

  • Warum wurden bildlich gestaltete Einbände weitaus häufiger im deutschen Kulturraum als in anderen Teilen Europas produziert?

  • Wie wurden graphische Motive für die Übertragung in Buchbinderwerkzeug (Rollen und Platten) angepasst und in neue Bildkonstellationen integriert?

  • Welche Rolle spielte die Materialität der Einbände?

  • Welche Bedeutung kommt bildlicher Einbandgestaltung für die kulturellen Biographien von Objekten zu?

  • Welche humanistische Werte wurden über Einbände vermittelt?

  • Warum wurden bestimmte biblische, historische und allegorische Figuren viel häufiger verwendet als andere?

  • Auf welche antiken Vorbilder sind Inschriften und architektonische Elemente zurückzuführen?

  • Wie verhalten sich die Inschriften der Platten und Rollen zur bildlichen Darstellung, zum Buchinhalt und zum Betrachter des Einbands?

  • Welche verschiedenen Funktionen hatten Platten mit Porträts von Zeitgenossen?

  • Wie wurde Einbandgestaltung für politische und Repräsentationszwecke gezielt eingesetzt?

  • Wie dienten Einbände der Erinnerungskultur?

  • Wie verhalten sich Einbände zur Intermedialität reformatorischer Ikonographie?

  • Inwiefern sind Bucheinbände konfessionell markiert?

  • Wie sind Bildserien auf Rollenstempeln theologisch, kulturhistorisch oder politisch zu deuten?

  • Gibt es genderspezifische Einbände?

  • Inwiefern kann man ein Buch nach seinem Einband beurteilen?


Pro Beitrag sind 30 Minuten Redezeit und 10 Minuten Diskussion vorgesehen.

Wenn Sie sich mit einem Beitrag am Workshop beteiligen möchten, schicken Sie bitte Ihren Vorschlag bis zum 15. März 2022 an:

Dr. Daniel Gehrt
Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt
Schloss Friedenstein
Schlossplatz 1
99867 Gotha
+49 361 737-5554
Daniel.Gehrt@uni-erfurt.de


Die Information, ob der Beitrag angenommen wurde, erfolgt Ende März per E-Mail.

Die Forschungsbibliothek übernimmt die Reisekosten der 2. Klasse mit der DB gemäß dem Thüringer Reisekostengesetz in seiner jeweils gültigen Fassung. Ein Zimmerkontingent für den Workshop mit dem Kennwort „Einbandgestaltung“ werden wir im Hotel am Schlosspark in Gotha reservieren. Nach Bestätigung der Teilnahme buchen Sie bitte auf eigene Rechnung die Zimmer über dieses Kontingent. Die Forschungsbibliothek Gotha wird Ihnen dann die entstandenen Kosten für die Übernachtung erstatten.

Post date: 2022-01-11 15:59:26
Post date GMT: 2022-01-11 14:59:26

Post modified date: 2022-01-13 11:39:10
Post modified date GMT: 2022-01-13 10:39:10

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