Sammelband zum Gothaer Reformator Friedrich Myconius

Forschungsbibliothek Gotha/ April 9, 2020

In der Reihe „Gothaer Forschungen zur Frühen Neuzeit“ ist im Franz Steiner Verlag (Stuttgart) der von Dr. Daniel Gehrt und Dr. Kathrin Paasch herausgegebene Sammelband „Friedrich Myconius (1490–1546). Vom Franziskaner zum Reformator“ erschienen. Er präsentiert die Ergebnisse einer Tagung, die vom 7. bis zum 9. April 2016 in der Forschungsbibliothek Gotha auf Schloss Friedenstein stattgefunden hat.

Der ehemalige Franziskaner gehörte seit seiner Berufung nach Gotha als evangelischer Pfarrer 1524 zu den führenden Akteuren der Wittenberger Reformation in der historischen Landschaft Thüringen, einer Region, die den Raum zwischen Werra und Saale und Thüringer Wald und Harz umfasste. Auch nahm Myconius an Religionsversammlungen und -verhandlungen im Alten Reich als Beauftragter der Kurfürsten von Sachsen teil.

Der Sammelband enthält insgesamt 16 Beiträge, beginnend mit den Auseinandersetzungen der Franziskaner mit Reformbewegungen vor und nach der Publikation von Martin Luthers 95 Thesen im Jahr 1517. Sie werfen neues Licht auf die enge Vernetzung des Gothaer Reformators mit Theologen in Wittenberg und im Thüringer Raum sowie auf seine Bedeutung als Organisationstalent für die evangelischen Kirchen und Schulen in Gotha und weit darüber hinaus. Ferner werden seine Oberaufsichtsfunktion für Thüringen, sein diplomatisches Geschick, seine Konfrontation mit radikalen religiösen Gruppierungen und seine Rezeption als historische Persönlichkeit über die Jahrhunderte hinweg untersucht. Die Beiträge bieten darüber hinaus erstmals eingehende Studien zu den wirkungsreichsten Werken des Reformators. Dazu zählen seine früh verfasste Geschichte der Reformation und sein weit bekannter Traum, der rückblickend als Weissagung auf Luther gedeutet wurde und einleitend von seinen Konflikt mit dem Ablasshändler Johannes Tetzel berichtet. Hinzu kommt eine Neuedition des 1526 von Myconius verfassten Visitationsberichts, der Vorbildcharakter für die Visitationspraxis der folgenden Jahrzehnte besaß und richtungweisend für die Gestaltung des entstehenden Landesherrlichen Kirchenregiments wirkte. Abgerundet wird der Band durch eine detaillierte Bibliographie und ein um 300 Briefe erweitertes Verzeichnis von Myconius’ umfangreicher Korrespondenz.

Die Neuerscheinung stellt einen wichtigen Beitrag zum frühen Aufbau der Wittenberger Reformation im thüringischen Raum dar und wird den Ausgangspunkt für alle künftigen Forschungen zu Friedrich Myconius bilden.

Bibliographische Angaben:
Daniel Gehrt / Kathrin Paasch (Hg.): Friedrich Myconius (1490–1546). Vom Franziskaner zum Reformator (Gothaer Forschungen zur Frühen Neuzeit 15). Stuttgart 2020. 392 Seiten mit 8 s/w-Abbildungen), 66,- €.
ISBN: 978-3-515-12626-7 gebunden; 978-3-515-12631-1 E-Book.

Weitere Hinweise zum Inhalt bietet die Titelinformation des Verlags.

Für weitere Informationen zu Friedrich Myconius beachten Sie bitte auch unsere virtuelle Ausstellung “Ich habe einen Traum. Myconius, Melanchthon und die Reformation in Thüringen“, die wir 2016 zur damaligen physischen Ausstellung in der Forschungsbibliothek Gotha eingerichtet haben.

   Drucken

Share this Post