Gratulation zur Verleihung des Titels „Reformationsstadt Europas“ an die Stadt Gotha

Forschungsbibliothek Gotha/ August 13, 2020

Die Forschungsbibliothek Gotha gratuliert der Stadt Gotha herzlich zum offiziellen Titel „Reformationsstadt Europas“, der ihr kürzlich von der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) verliehen worden ist. Die GEKE würdigt damit die reiche Reformationsgeschichte der Stadt, die heute im Stadtbild und in einzigartigen Sammlungen sichtbar ist.

Die bedeutendsten reformationsgeschichtlichen Sammlungen an Handschriften und historischen Drucken in Gotha bewahrt die Forschungsbibliothek Gotha, die mit ihrer Studienstätte Protestantismus wichtig für die Anerkennung des Titels „Reformationsstadt Europas“ gewesen ist. Diese Sammlungen beinhalten unter anderem umfangreiche und hochkarätige Nachlässe und Korrespondenzen der Reformatoren, die vor allem vom Herzoghaus Sachsen-Gotha-Altenburg zwischen 1640 und 1825 in der großen Bibliothek auf Schloss Friedenstein zusammengetragen worden sind. Zu ihnen gehört auch die bedeutende Bibliothek des ehemaligen Herzoglichen Gymnasiums Gotha und der Druck von Luthers Freiheitsschrift aus dem Jahr 1520, der 2015 in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen wurde. Die Forschungsbibliothek erschließt, digitalisiert und erforscht mit ihren zahlreichen nationalen und internationalen wissenschaftlichen Partnerinnen und Partnern diese Bestände und präsentiert sie online und in Ausstellungen und Publikationen. Auf diesem Weg wird die Bibliothek auch in den nächsten Jahren weitergehen und hierbei eng mit der Stadt Gotha zusammenarbeiten.

Zeitgenössisches Porträt des Friedrich Myconius. © Forschungsbibliothek Gotha (CC BY-SA 4.0).

In Gotha hielt 1522 der Pfarrer Johann Langenhan die erste evangelische Predigt. Mit der Ankunft von Friedrich Myconius (1490–1546) im Jahre 1524, der auf Empfehlung Martin Luthers (1483–1546 ) und auf Geheiß des späteren Kurfürsten Johann von Sachsen (1468–1532) unmittelbar nach dem Gothaer Pfaffensturm als Geistlicher in die Stadt kam, wurde die Wittenberger Reformation in Stadt und Land auf stabile Verhältnisse gestellt. Myconius wurde 1529 nicht nur erster Superintendent von Gotha, sondern spielte auch eine wesentliche Rolle bei der Ausgestaltung des Amtes sowie bei der Durchführung von Kirchen- und Schulvisitationen zur Sicherstellung der rechten Lehre und zur ordentlichen Führung der Pfarrgemeinden. Luther und Philipp Melanchthon (1497–1560), mit denen Myconius in einem intensiven Austausch stand, weilten mehrfach in der Stadt. Mit der Einrichtung des Herzogtums Sachsen-Gotha unter Herzog Ernst I. (1601–1675) entwickelte sich die Residenzstadt mit dem Schloss Friedenstein zu einem Zentrum des Luthertums, sichtbar repräsentiert durch eine Figur Martin Luthers an der Schlossfassade. Auch die Sammlungen der Kunstkammer sowie der Herzoglichen Hofbibliothek wurden konsequent erweitert und waren Zeichen einer ausgeprägten Memorialkultur, die das Erbe der Reformation gegen äußere Anfeindungen wachhalten und weiter gestalten wollte.

Obgleich die Reformationsdekade 2017 mit dem 500. Jubiläum der Reformation ihr Ende fand, folgen in den nächsten Jahren zahlreiche Jubiläen. So feiert 2022 die Forschungsbibliothek ihr 375. Gründungsjubiläum und die Stadt Gotha „500 Jahre Reformation in Gotha“. Der Titel „Reformationsstadt Europas“ wird auf diese Weise fortlaufend mit Leben gefüllt.

Weitere Informationen rund um das Städteprojekt der GEKE finden Sie auf der Homepage der Gemeinschaft. Eine ausführlichere Beschreibung der reformationsgeschichtlichen Sammlungen der Forschungsbibliothek Gotha finden Sie auf unserer Homepage.

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